
Ein wohliges Gefühl befällt den Zuschauer, als rauhe Töne der frühen Rolling Stones hereinbrechen, während Archivaufnahmen von den Rassenunruhen der 70er Jahre in Boston über die Leinwand ziehen. "The Departed" ist kein Geschichtsdrama wie "Gangs of New York" und schon gar keine symbolische Menschheitsfabel wie "Aviator", das hier ist von der ersten Minute an eine Rückkehr in den Hexenkessel aus Guns’n’Crime, aus betrogenen Loyalitäten, Männerehre und blutiger Vergeltung. Hier hat einer zurück nach Hause gefunden und fühlt sich sichtlich wohl dabei.
Und nicht nur Martin Scorsese merkt man die Lust an, wieder in den Kloaken des modernen Großstadtverbrechertums herumzustochern, auch sein furioses Inszenierungsteam um Kameramann Michael Ballhaus und Editorin Thelma Schoonmaker brilliert auf heimischem Terrain. Vorbei sind die Zeiten der prätentiösen Künstlichkeit und des konzeptuellen Anspruchs – es geht wieder um die Darstellung von Leben und Tod, um die Inszenierung von Dreck und Raffinesse.
Zweieinhalb Stunden nimmt sich "The Departed" Zeit, und daß keine Minuten davon langweilig ist und man sich keinen der zahlreichen Subplots herausgeschnitten wünscht, das verdankt Martin Scorsese in erster Linie seinen Schauspielern. William Monahans schlagfertiges Drehbuch führt eine Fülle spannender Charaktere in die Geschichte ein, und es wurde mit den schlangestehenden Hollywood-Stars besetzt, und diese verschwenden keine Sekunde mit Zögern. Ein erschreckend kalter Matt Damon und ein endlich erwachsener Leonardo DiCaprio gefallen als gegensätzliche Doppelgänger, während Jack Nicholson bei seinem ersten Film seit fünf Jahren sichtlichen Spaß daran hat, mit vollem Mund zu reden, sexuelle Widerlichkeiten zu grölen und auch sonst seine eigentlich unspektakulär angelegte Bösewichtsrolle zu einem bestialischen Über-Monster wird. Aber danach geht der Spaß erst richtig los: Unter "ferner" laufen nämlich Kaliber wie Martin Sheen oder Ray Winstone herum, oder ein überraschend grandioser Mark Wahlberg, der als energiegeladener Choleriker keine drei Sekunden durchsteht, ohne irgendjemandes Mutter aufs Übelste zu beleidigen. Auch Alec Baldwin darf mal wieder in der A-Liga ran, und er darf hier so ungehemmt toben und fluchen wie sonst in keinen anderen Film . Sogar Vera Farmiga, die einzige Frau in diesem mit Testosteron überschwemmten Starkstromhäuschen von einem Film, kann angesichts solcher Mitspieler ihre Figur behaupten und alle lauernden Klischee-Klippen umschiffen.
Nach zweieinhalb Stunden, in welcher die Figuren hektisch herumrannten und versuchten die Spannunsbögen zu überreizen, nachdem die Erwartungen durch ständige Spannungssteigerung eigentlich unerfüllbar hoch liegen und man sich schon auf einen enttäuschenden Abschluß vorbereitet, genau da zaubert der Meister eine letzte Überraschung aus dem Ärmel: Das Ende gerät Scorsese zum größten und moralisch zwiespältigsten Blutbad. Man darf gespannt sein und das wird man auch. Nach so einem grandiosen Film verabschiede ich dieses Filmjahr und lege so meine Top Filme fest.
Platz 5 belegt:
- Match Point
Platz 4 belegt:
- Volver
Platz 3 belegt:
- The Departed
Platz 2 belegt:
- Shortbus
Platz 1 blegt:
- Science of Sleep
- Match Point
Platz 4 belegt:
- Volver
Platz 3 belegt:
- The Departed
Platz 2 belegt:
- Shortbus
Platz 1 blegt:
- Science of Sleep
Hier kann man alle Film:kritiken nachlesen, wenn man mag.
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